MdB Emmi Zeulner: „Wir brauchen konstruktive Lösungen und engmaschige Evaluation, um die Geburtshilfe zu sichern!“
Die wohnortnahe Geburtshilfe steht unter Druck. Insbesondere Beleghebammen befürchten ab dem 1. November 2025 durch neue Vergütungsregelungen deutliche Einkommenseinbußen. Grundlage der Änderungen ist ein Schiedsspruch, der aufgrund der Uneinigkeit der Selbstverwaltung, genauer zwischen dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen und dem Deutschen Hebammenverband, zustande kam.
Bei einem digitalen Fachgespräch auf Einladung der Bundestagsabgeordneten Emmi Zeulner (CSU), Obfrau und zuständige Berichterstatterin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für den Bereich der Geburtshilfe, wurde deutlich: Das Beleghebammensystem ist für die Versorgung vor Ort unverzichtbar und hat große Zukunft. Dafür sind politische Unterstützung und gezielte Korrekturen des neuen Hebammenvertrags notwendig.
„Unsere Hebammen leisten Herausragendes – Tag und Nacht, direkt an der Seite der Frauen. Gerade im ländlichen Raum sind Beleghebammen oft das Rückgrat der geburtshilflichen Versorgung“, betonte Emmi Zeulner. „Wenn sie sich aufgrund finanzieller Unsicherheit zurückziehen, drohen Versorgungsengpässe, die wir nicht kompensieren können.“
Das Fachgespräch unter dem Titel „Sicherung des Beleghebammenwesens – flächendeckende geburtshilfliche Versorgung erhalten“ fand am vergangenen Mittwoch auf Einladung von Zeulner statt. Unterstützt wurde sie unter anderem von den Abgeordneten Albert Stegemann, dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU für den Bereich Gesundheit, und Simone Borchardt, gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Im Mittelpunkt standen die Auswirkungen der anstehenden Änderungen im Hebammenhilfevertrag sowie mögliche politische Handlungsoptionen.
Beleghebammen schlagen Alarm
Die praktischen Erfahrungen der Beleghebamme Katharina Eckstein (aus Oberfranken), der Geschäftsführerin der Frauenklinik Dr. Geisenhofer GmbH, Dr. Katharina Richter, sowie die wissenschaftlichen Erkenntnisse von Prof. Dr. Nadine Scholten (Universitätsklinikum Bonn) verdeutlichten: Die geplanten Änderungen bringen erhebliche Unsicherheiten mit sich, was auch in den unterschiedlichen Prognosen deutlich wird: „Einerseits sollen laut Kassen zukünftig 100 Millionen Euro mehr in die Geburtshilfe fließen, andererseits rechnen die Beleghebammen mit Vergütungseinbrüchen von 30 Prozent – das passt nicht zusammen“, so Zeulner. „Wir brauchen eine unabhängige Überprüfung der Zahlen und Auswirkungen auf beiden Seiten. Denn wenn wir als Politik glaubwürdig bleiben wollen, müssen wir auch hier den Praxis-Check machen, wie wir ihn im Koalitionsvertrag fordern.“ Darüber hinaus fordert die Gesundheitspolitikerin: „Gleichzeitig müssen wir zeitnah weitere Gespräche zwischen den Selbstverwaltungspartnern anregen, wie ein gemeinsamer Weg in der aktuellen Lage gefunden werden kann. Nur so kommen wir weiter.“
Konstruktive Lösungen statt Stillstand
Zeulner schlug in der Diskussion vor, zum Beispiel eine zweijährige Konvergenzphase zu prüfen, in der die neuen Regelungen und die neue Systematik gemäß Hebammenhilfevertrag ab dem 01.11.2025 schrittweise eingeführt und engmaschig evaluiert werden. „So würden wir den Druck rausnehmen, könnten Fehlentwicklungen rechtzeitig korrigieren und die Belastung für die Hebammen abfedern“, so Zeulner. Möglich wäre dies über eine Ergänzungsvereinbarung der Selbstverwaltungspartner. „Wir wollen eine geburtshilfliche Versorgung, die sowohl medizinisch sicher als auch wirtschaftlich tragfähig ist. Es geht darum, gemeinsam mit der Selbstverwaltung Lösungen zu finden, anstatt sie allein zu lassen.“
Breite politische Unterstützung
Neben Bundespolitikerinnen und -politikern nahmen auch Vertreterinnen und Vertreter des Bayerischen Landtags teil, darunter Bernhard Seidenath MdL, Carolina Trautner MdL, Sascha Schnürer MdL und Melanie Huml MdL. „Die Unterstützung ist bundesweit groß. Unsere Beleghebammen verdienen Respekt und Planungssicherheit – denn die Geburt ist der Anfang eines Lebenswegs und verdient volle Aufmerksamkeit. Ich danke allen Beteiligten für den offenen Dialog. Wir bleiben dran“, so Zeulner abschließend.