Heute haben Abgeordnete aus CDU, CSU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke den Parlamentskreis „Prävention“ gegründet. Die Gründung wurde begleitet von Britta Steffen (Schwimmerin und zweifache Olympiasiegerin) und Sarah Wiener (Köchin, Vorstandsvorsitzende der Sarah Wiener Stiftung und ehemaliges Mitglied des Europäischen Parlaments), die jeweils einen Input gaben.
Zur Gründung erklärt der Vorstand:
„Wir gründen heute den Parlamentskreis „Prävention“ mit dem Anliegen, Prävention und Gesundheitsförderung parteiübergreifend zu denken und notwendige Maßnahmen gemeinsam umzusetzen. Deutschland hat eines der teuersten Gesundheitswesen der Welt, aber unsere Lebenserwartung ist trotzdem unterdurchschnittlich. Das liegt zum Teil auch an fehlender sozialer Infrastruktur. Der Public Health Index von AOK und dem Deutschen Krebsforschungsinstitut von Dezember 2025 hat untersucht, wie chronische Erkrankungen durch ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel, Alkohol- und Tabakkonsum verursacht oder verstärkt werden. Die dadurch entstehende Krankheitslast belastet nicht nur Millionen von Menschen in Deutschland, sondern auch das Gesundheitssystem in erheblichem Maße. Zudem bekommt die Wirtschaft die Folgen stark zu spüren – Deutschland zählt mit 15,3 Krankheitstagen zu den Ländern mit einer hohen Krankheitsquote. Umgekehrt liegt genau hier ein enormes positives Potenzial: Wenn Prävention gelingt, gewinnen wir nicht nur gesündere Lebensjahre, sondern auch mehr Arbeitsfähigkeit, Produktivität und wirtschaftliche Stabilität. Jeder vermiedene Krankheitsfall bedeutet weniger Belastung für Betriebe, Sozialversicherungen und Familien – und mehr Kraft für unseren Wirtschaftsstandort. Prävention ist damit keine zusätzliche Last, sondern eine Investition in die Leistungsfähigkeit unseres Landes.
Die politische Umsetzung wirksamer Präventionsmaßnahmen ist in der Vergangenheit immer wieder an Partikularinteressen und fehlender fraktionsübergreifender Zusammenarbeit gescheitert. Das wollen wir ändern. Die aktuelle Bundesregierung hat, etwa mit der Ankündigung einer Herstellerabgabe auf Zucker, Maßnahmen im Blick. Ebenso klar hat sich der Bundesdrogenbeauftragte dazu geäußert, dass der Zugang zu Alkohol und Tabak deutlich stärker reguliert werden muss. Dennoch müssen weitere Schritte gegangen werden: Ob in der Arbeitswelt, bei zu teuren gesunden Lebensmitteln, bei der gesundheitlichen Versorgung oder in der Stadtplanung.
In der aktuellen politischen Lage brauchen wir mehr denn je einen konstruktiven, sachlichen Dialog über Fraktionsgrenzen hinweg, damit auch die Umsetzung der Maßnahmen gelingt. Die Mehrheit der Menschen im Land spricht sich in mehreren Umfragen klar für mehr Prävention aus. Wir sagen daher: Die Stärkung einer gesunden Umgebung sollte sich nicht in parteipolitischen Auseinandersetzungen ergehen, sondern ist eine gesamtgesellschaftliche Verpflichtung gegenüber den Menschen in diesem Land. Nur gemeinsam können wir den notwendigen politischen Druck aufbauen, um wissenschaftlich empfohlene Maßnahmen endlich konsequent umzusetzen.“
Stimmen von der Gründungsveranstaltung:
„Bewegung muss einfach, sicher und bequem sein. Das ist keine Frage des persönlichen Willens, sondern der richtigen Verhältnisse. Wir müssen mehr Bewegung im Alltag fördern. Das klappt nur mit breiteren Gehwegen, sicheren Radwegen, Spielplätzen und gefördertem Vereinssport.“
BRITTA STEFFEN, Schwimmerin und zweifache Olympiasiegerin
„Es ist ein Gebot der Vernunft und ein Gebot des Handelns: Wir müssen politische Rahmenbedingungen schaffen, sodass das Gute und Gesunde auch das Einfache ist. Denn wir schulden den Menschen eine Zukunft, die lebenswert bleibt.“
SARAH WIENER, Köchin, Vorstandsvorsitzende der Sarah Wiener Stiftung und ehemaliges Mitglied des Europäischen Parlaments
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Vorstand des Parlamentskreises Prävention:
Anne Janssen (CDU), Dr. Tanja Machalet (SPD), Johannes Wagner (Bündnis 90/Die Grünen), Ates Gürpinar (Die Linke), Emmi Zeulner (CSU)
Foto zur freien redaktionellen Verwendung anbei: Gruppenfoto mit Mitgliedern des Parlamentskreis Prävention und den Gästen Britta Steffen und Sarah Wiener
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Hintergrund: Zahlen und Fakten zur Bedeutung von Prävention in Deutschland
Ein großer Teil der Krankheitslast in Deutschland ist vermeidbar: Im Jahr 2021 galten rund 203.000 Todesfälle als vermeidbar – etwa zwei Drittel davon allein durch wirksame Prävention. Diese Zahlen verdeutlichen das enorme Potenzial vorbeugender Maßnahmen für die öffentliche Gesundheit. Dazu gehören: Werbeeinschränkungen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen, Mehrwertsteuerbefreiungen für gesunde Lebensmittel, Ausbau der Rad-Infrastruktur, Regulierung des Zugangs zu Tabak und Alkohol.
Auch wirtschaftlich ist die Bedeutung erheblich. Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen jährlich rund 64,6 Milliarden Euro und sind damit die teuerste Krankheitsgruppe. Gleichzeitig nimmt die Verbreitung von Typ-2-Diabetes weiter zu: Fast 10 Millionen Menschen sind betroffen, jährlich kommen rund 450.000 Neuerkrankungen hinzu. Ein zentraler Risikofaktor ist Adipositas, die etwa 80 Prozent der Fälle verursacht und insgesamt Kosten von rund 63 Milliarden Euro pro Jahr verursacht.
Neben Ernährungs- und Bewegungsfaktoren tragen insbesondere Tabak- und Alkoholkonsum erheblich zur Krankheitslast bei. Rauchen ist der wichtigste vermeidbare Risikofaktor und verursacht jährlich rund 127.000 vorzeitige Todesfälle sowie einen erheblichen Anteil an Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die gesamtgesellschaftlichen Kosten liegen bei über 90 Milliarden Euro. Auch Alkoholkonsum verursacht rund 47.500 vorzeitige Todesfälle pro Jahr und Kosten von etwa 57 Milliarden Euro. Besonders problematisch ist, dass sich riskante Verhaltensweisen gegenseitig verstärken – etwa erhöht die Kombination von Tabak und Alkohol das Krebsrisiko zusätzlich.
Ein internationaler Vergleich zeigt deutlichen Handlungsbedarf: Im Public Health Index 2025 liegt Deutschland in zentralen Präventionsfeldern wie Tabak, Alkohol und Ernährung auf den hinteren Plätzen. Als wesentliche Ursachen gelten ein unzureichender politischer Wille, starker Lobbyeinfluss und eine zu geringe Nutzung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Defizite bestehen besonders bei strukturellen Maßnahmen, etwa im Kinder- und Jugendschutz oder bei Werbebeschränkungen.
Diese Befunde machen deutlich: Prävention ist nicht nur gesundheitspolitisch, sondern auch ökonomisch und sozialpolitisch von zentraler Bedeutung. Der Parlamentskreis Prävention kann dazu beitragen, evidenzbasierte Maßnahmen stärker zu verankern und die Gesundheit der Bevölkerung nachhaltig zu verbessern.